1. Tag: Einchecken in Enkhuizen
Urlaub! Aktiver Urlaub natürlich. Wir werden uns die Aktivitäten mit einem Schiff teilen . Es schippert uns in der Nacht sicher übers IJsselmeer, wir radeln dann am Tag. Wir – das sind meine Schwester, der Schwager, mein Männl und iche. Nach langer langer langer Autofahrt kommen wir nicht nur am Startpunkt in Enkhuizen an, sondern auch im Hochsommer! Was für ein Temperaturunterschied! Bis zum Einchecken ist noch reichlich Zeit, also drehen wir einen kleinen Stadtrundgang und stimmen uns ein. Niedliche Gässchen, überall kleine Grachten, Brücken, gemütliche Cafés und jede Menge Menschen. Schön ist die kleine Runde, meinem Knie geht es recht gut…. Wir schwitzen, aber was soll’s. Urlaub eben!
PS: Knie? Ja, ich hatte einen Ermüdungsbruch. 9 Wochen Orthese und kaum Aktivitäten. Nun hoffe ich, diese Woche wieder gut im Schwung zu kommen. Der Miniskus macht mir allerdings auch noch zu schaffen. Man wird eben nicht jünger …
2. Tag – 1. Tour: Von Enkhuizen nach Hoorn
Nach einer (fast) erholsamen Nacht und einem reichlichen Frühstück erhalten wir eine Einweisung für den Tag. Unsere Tourenguide Regine stimmt uns auf die Regeln im niederländischen Radverkehr hin, warnt uns vor diesen und jenem, empfiehlt uns dieses und jenes und schon sind wir ausreichend geschult und schwingen uns aufs E-Bike, was uns fleißige Helfer auf den Pier bereits bereit gestellt haben. Es liegt leichter Nebel über dem IJselmeer, die Luft ist kühl. Wir haben uns einen Zickzack-Kurs zusammengestellt, wir wollen von allen Landschaftsformen etwas sehen. Den Deich, die Felder, die hübschen kleinen Dörfer und auch ein paar Kirchen. Am Leuchtturm legen wir unsere Mittagsrast ein – das Essen dafür können wir uns am Frühstückstisch selbst zusammenstellen. Inzwischen strahlt die Sonne in voller Kraft auf uns nieder. Trotzdem empfinde ich die Luft beim Radeln weiter als kühl, Jacke an, Jacke aus. Die letzten Kilometer bleiben wir dann auf dem Deich. Diesen teilen wir uns mit Fahrrädern, Spaziergängern, Motorrädern und Autos. Recht ungewohnt und so heißt es ständig, immer schön aufzupassen. Eine der Warnungen von Regine, Recht hat sie gehabt. Schließlich erreichen wir Horn – unser heutiges Ziel. Auch das Schiff sehen wir bereits Kurs auf den Hafen nehmen. Die verbleibende Zeit streifen wir durch den wunderhübschen Ort mit seinen engen Gassen, den schiefen Häusern und den vielen kleinen Cafés und Gaststätten. Schiefe Häuser? Wir sind ja das erste Mal in den Niederlanden – wir erkunden also mal schnell die Gründe und erfahren interessante Fakten. Und so geht die erste Tour zu Ende, das Schiff saugt uns wieder ein …
3:05 h in Bewegung
5:20 h unterwegs
PS: auch die erste Tour für das „Stadtradeln OPR“ wird nun gleich erfolgreich abgespeichert…
3. Tag – 2. Tour:Rundtour um Lemmer
Zeitiges Wecken, die Motoren wecken uns abrupt – das Schiff startet von Hoorn und fährt nun nach Lemmer. Aber es ist nicht weit und wieder werden wir pünktlich „ausgespuckt“, die Räder stehen am Pier bereit. Unser Schiff wartet hier nun auf uns, bis wir nachmittags von der Rundtour zurück kommen. Aber erstmal müssen wir los. Heut wird es noch wärmer als gestern. Wir starten erst um elf, fast in der Mittagsglut. Einmal quer durch Lemmer, absolvieren unseren ersten niederländischen Kreisverkehr und biegen bald ab in Richtung vom Tsjukemar, an dessen Ufer ein schöner, aber auch recht schmaler Radweg entlangführt. In Echtenerbrug biegen wir kurz ab, hier hat der Discounter auch an Pfingstmontag geöffnet. Getränke tanken. Unerlässlich bei der Hitze. Wir haben heute die längere Tour gewählt, die im Bogen rund ums „Rottige Meente“ führt, ein Gebiet mit vielen alten Torfstichen. Auch zwei typische Windmühlen entdecken wir. Bei einer, wohl sogar als Ferienwohnung ausgebaut, steht davor ein großer, Schatten spendender Baum. Unsere Mittagsrast, wir lassen uns auf die Wiese fallen. Die Sonne schlaucht ganz schön. Nur gut, dass es die Motorunterstützung gibt. Eine wunderschöne Gegend, wir sehen Pferde, Schafe, einen Silberreiher, Schwäne, Rehe, Störche und und und. Der Rückweg fällt aber dann – jedenfalls mir – schon etwas schwer. Denn das Knie meldet sich etwas, jedenfalls dann, wenn ich mal vom Rad steige. Aber das tu ich nicht oft, nur noch bei einer kleinen Pause abseits vom Radweg und schließlich dann, als wir ins Ziel rollen …
2:54 h in Bewegung
4:30 h unterwegs
PS: auch die zweite Tour für das „Stadtradeln OPR“ wird nun gleich erfolgreich abgespeichert…
„2Rad-Rheinsberg“ = Summe 189 km
4. Tag – 3. Tour: Von Lemmer nach Stavoren
Schon zeitig rollen wir heute von Bord, um neun strampeln wir los. Ich habe uns wieder aus den zwei empfohlenen Strecken eine individuelle zusammengebastelt, damit wir alles „mitnehmen“. Interessant heute die Körbe im Fließ neben uns. Schutz für die Enten und ihre Brut. Leider sind alle leer. Wieder geht es weit ins Land hinein, vorbei an Wiesen, Feldern (Kartoffeln!!), Weiden und an vielen Gestüten. Ein graziles Fohlen stolziert vor uns hin und her, von der Mama im Blick. Gerd entdeckt Kiebitze – aber weit entfernt. Beate identifiziert sie für mich, man nennt sie auch fliegende Lappen, schreibt sie mir! Super hübsch ist der Ort Sloten, den wir komplett durchstreifen. In Balk gehen wir schnell Getränke kaufen und schon geht’s wieder weiter. Hemelin streifen wir, durch Bakhusen geht’s quer durch. Alles hübsche Dörfer mit vielen schicken Häusern, mal alt, mal neu, mal groß, mal klein, mal ganz klein. Und dann sind wir wieder am IJsselmeer, bei Laaxum am Strand. Vorbei an der kleinen Fischgaststätte, quer über die Wiese, hinter einer Baumgruppe und „Jubel“ – wir ergattern die einzige Bank im Schatten. 1,5 Stunden Mittagsrast, denn das Ziel ist schon nah. Und wir sollen erst um zwei dort sein. Gerd wird es langweilig und so fährt er schon mal die Strecke. Hin und her, und das gleich zweimal. Schließlich reihen wir uns wieder ein und radeln zusammen die 5 km nach Stavoren, entlang am Dijkvart (Komoot nennt es „Suderdyksfeart“), über ein paar Brücken und schon sind wir am Zielpunkt – „De Vis voor Stavoren“. Das kann man auch ohne Sprachkenntnisse übersetzen. Spätestens wenn man davor steht …
2:39 h in Bewegung
5:08 h unterwegs
PS: auch die dritte Tour für das „Stadtradeln OPR“ wird nun gleich erfolgreich abgespeichert…
„2Rad-Rheinsberg“ = Summe 292 km
5. Tag – Tour 4 -Rundtour bei Harlingen
Die Hitze ist vorbei, heute strahlt zwar weiter die Sonne, aber der Wind bläst uns eiskalt entgegen. Langärmliger Pullover und Jacke wandern ganz schnell aus der Gepäcktasche raus und auf uns drauf. Los geht’s. Einmal quer durch Harlingen und dann sehr lange entlang der Straßen, erst durch Arum – Getränke auffüllen im Discounter – dann wieder weiter entlang von Straßen in Richtung Freneker, einer Universitätsstadt. Wir schieben dort teils unsere Räder, um mal hierhin, mal dahin zu schauen, mal dieses, mal jenes zu fotografieren. Schließlich verlassen wir den Ort und strampeln weiter, und weiter, und weiter. Der Wind meint es heute nicht gut mit uns! Scheinbar kommt er uns immer entgegen, obwohl wir bereits eine dreiviertel herum gefahren sind, auf unserer Rundtour! Schließlich sind wir wieder am Waddenzee, am Wattenmeer. Im Schutz der Düne, mit einem weiten Landblick legen wir unsere Rast ein. Der Wind ist endlich mal nicht zu spüren, die Sonne nun aber deutlich. Ich glaube, ich habe im Gras ein Powernapping geschafft. Frisch gestärkt wollen wir uns wieder dem Wind entgegen stemmen, da ist er endlich im Rücken! Fast wie im Sog gleiten wir dahin, links und rechts die Schafe mit ihren vielen Lämmern. Ideal, idyllisch, erholsam. Schnell sind wir so zurück in Harlingen, besuchen noch kurz den Wal an der Mole, lassen uns von seiner Fontäne begrüßen und kehren auf unser Schiff zurück…
2:54 h in Bewegung
4:57 h unterwegs
PS: auch die dritte Tour für das „Stadtradeln OPR“ wird nun gleich erfolgreich abgespeichert…
„2Rad-Rheinsberg“ = Summe 392 km
6. Tag – 5. Tour:Insel Texel – Eijerlandroute
Im Morgengrauen startet das Schiff in Harlingen und fährt uns hinüber zur Insel Texel. Pünktlich wie jeden Tag stehen die Räder dann am Pier bereit – es haben wieder einige Gäste mitgeholfen, so auch Gerd. Noch eine Jacke mehr habe ich heute an, denn trotz der Sonne gibt es wieder viel Wind. Vor allem auf dem ersten Stück, das Ostufer der Insel hinauf, da pfeift er uns um die Nase. Mal fahren wir direkt am Wattenstrand, dann wieder hinter der Düne, entlang von Margaritenfeldern und kleinen Teichen. Überall sieht man Vögel, Nicht nur die allgegenwärtigen Möwen, die über uns schreien, sondern auch mir unbekannte. Hier hilft mir wieder Beate, schnell erfahre ich, dass gegenüber ein Säbelschnäbler am Ufer „säbelt“, so filtert er seine Nahrung aus dem Wasser oder dem Schlick. Bald sehen wir im Norden den historischen roten Leuchtturm schon von weitem. Und mit uns viele viele Radfahrer. Nichts ist heute mit idyllischer Ruhe! Aber es stört kaum, es ist Platz für alle. Von da aus geht es in die „Eierlandse duinen“ – herrlich. Es fährt sich fantastisch. Mal hoch, mal runter, mal absteigen und etwas entdecken. Zum Beispiel eine Fasanen-Mama mit drei Küken, die unseren Weg kreuzen und dann im Dünengras fast unsichtbar werden. Ein Austernfischer (ein sehr sehr hübscher Vogel, den man wegen seinem langen roten Schnabel auch „Halligstorch“ nennt). schimpft neben uns. Ob wir ihn gestört haben? Heute freuen wir uns bei der Mittagsrast über die Sonne und genießen einen weiten Blick. Eine große Möwe lauert neben der Bank, aber wir essen alles selber auf. Kurz steige ich die Treppe hinauf, um zu einem Vogelbeobachtungs-Point zu gelangen. In den Dünen scheint ein Vogelkundler zu wohnen, eine große handgeschriebene Tafel am Zaun erzählt von etwa 40 verschiedenen Vogelarten, die hier im April 2026 gesichtet wurden. Er sucht für mich die niederländische Liste nach der Dorngrasmücke ab, die gerade munter neben uns singt. Aber sie steht nicht drauf, hatte wohl Verspätung im April. Die Fahrt geht nun weiter, in De Koog lassen wir uns ein Eis schmecken. Eine Kugel, ausgesucht aus 65 Sorten. Und wieder geht’s weiter. In einem kleinen Waldstück beobachten wir wieder einen Fasan, diesmal den farbenfrohen Mann des Hauses, er stolziert neben uns im Gras vorbei. Schließlich fahren wir noch quer über die Insel, mitten durch Den Burg – die größte Stadt von Texel. Hier kaufen wir auch Käse ein, unser niederländisches „Mitbringsel“ für Zuhause. Knoblauchkäse, welchen mit Bockshornklee und einen mit Brennnesselkräutern. Eingepackt in Käsepapier – was es nicht so alles gibt …
1. PS: Achja – und die vielen Schafe sollten wir zählen! Ich habe bei 872 aufgehört 😅. Mindestens 40 Prozent davon waren Lämmer …
2. PS: Wer das Fasanenküken entdeckt, hat gute Augen!
3:03 h in Bewegung
5:23 h unterwegs
PS: auch die vierte Tour für das „Stadtradeln OPR“ wird nun gleich erfolgreich abgespeichert…
„2Rad-Rheinsberg“ = Summe 498 km
7. Tag – 6. Tour: Von Den Oever nach Medemblik
Die letzte Tour – wie schnell so eine Woche doch verfliegt. Kein Highlight erwartet uns, so sagt es jedenfalls Regine, unser Reiseguide. Aber warmes Wetter steht an, Man merkt es sofort, als wir unsere Räder satteln! Zuerst geht es parallel zum Meer – unsichtbar für uns, da wir hinter der Düne fahren. Auch den Amstelsee sehen wir nicht, dabei hören wir genügend Zeit gehabt, mal schnell dahin abzubiegen. Wir fahren und fahren, rechts neben uns der Waardkanaal – unsichtbar für uns, ein Waldstreifen verbirgt ihn. Stattdessen hören wir laute Vogelstimmen, einen Zaunkönig, die Mönchsgrasmücke und der Buchfink übertönen sich gegenseitig, der ZilpZalp auch noch mitten drin. Schließlich biegen wir kurz ab von der Strecke und fahren noch bis Kolhorn, ein kleines Dorf mit einem kleinen Kanal, dem Westergraftwaart, mit wunderschönen Seerosen. Wir legen eine kleine Pause an der „Laurenskerk“ ein, bevor wir wieder zurück auf unsere Tour radeln. Völlig unspektakulär zieht sich nun die verbleibende Wegstrecke schnurgerade durch die Landschaft – Regine hat recht gehabt!! Auf einer Wiese neben der Autobahn, abgeschirmt durch einen kleinen See und Sträucher, ist Mittagsrast. Im Medemblik streifen weiter nochmal durchs Städtchen, was recht hübsch durch schmale schräge Häuser, viel YachtHafen und geschmückt von einem mittelalterlichen Schloss daherkommt. Ziel erreicht. Das Schiff landet ebenfalls an, wir geben die Räder ab und sind ab Bord. Und hinter uns beginnt ein Gewitter, mit fast cm-großen Hagelkörnern. Naja, fast. Glück gehabt…
3:19 h in Bewegung
5:07 h unterwegs
PS: auch die fünfte Tour für das „Stadtradeln OPR“ wird nun gleich erfolgreich abgespeichert…
„2Rad-Rheinsberg“ = Summe 612 km
8. Tag – Heimfahrt
Letzter Morgen, letztes Frühstück – Abschiedsstimmung. Zeitig sind wir munter, die Koffer längst gepackt. Wir können die letzten Minuten entspannt sein, die Crew dagegen schuftet, vom Kapitän bis zur Reiseleiterin, alle sind dabei. Die (eigenen) Fahrräder müssen von Bord, die Koffer ebenso. Gerd holt das Auto, Fahrradträger drauf, Koffer rein und 8:15 Uhr startet die lange Heimtour. Bye, bye. Der Fahrer muss sich konzentrieren und wir anderen können die Reise Revue passieren lassen. Toll war alles. Die Radwege, die Ausschilderung (Knotenpunkte) und alles drum herum einsame Spitze, die Orte hübsch und sehenswert, die Küste windig und einprägsam, die Sonne und das Wetter super getimt, die Verpflegung viel zu gut, die Betreuung durch die Crew zum Genießen und alles perfekt abgerundet durch eine nette, lustige und stets helfende Reiseleiterin Regine. Das war sicher nicht die letzte Schiff-und-Rad-Reise ….
